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Häufig gestellte Fragen zur ISO 26000

Mit der ISO 26000 wird zum Ende des Jahres eine Leitfadennorm veröffentlicht, die erstmals das Thema der gesellschaftlichen Verantwortung von Organisationen international gültig definiert und somit auch das vieldiskutierte Schlagwort der „Corporate Social Responsibility“ (CSR) in ein neues Licht rückt. Mit der Veröffentlichung des Leitfadens ergeben sich vielfältige Fragen zum Inhalt, der Bedeutung und nicht zuletzt der praktischen Umsetzung im eigenen Unternehmen. Diese FAQ gibt Antwort auf die wichtigsten Fragen und beleuchtet dabei vor allem die Rolle des deutschen Mittelstandes.

Was ist die ISO 26000?

Die ISO 26000 ist eine umfassende internationale Norm, die erstmals gesellschaftlich verantwortliches Handeln für alle Arten von Organisationen allgemeingültig definiert und dafür eine Reihe von Empfehlungen bereitstellt. Die Leitfadennorm soll Organisationen dabei unterstützen, ihre gesellschaftliche Verantwortung im Rahmen von unterschiedlichen Kulturen, Gesellschaften, ökologischen Umgebungen und Rechtsräumen wahrzunehmen. Mit der ISO 26000 wird auch das vieldiskutierte Thema der Corporate Social Responsibility, also die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen, erstmals standardisiert und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Wann wird sie veröffentlicht?

Voraussichtlich im November 2010: Die Abstimmung über das finale Entwurfsdokument ist bereits beendet und mit einer weltweit breiten Mehrheit von 93% verabschiedet worden.

Was bedeutet „Gesellschaftliche Verantwortung“?

Gesellschaftliche Verantwortung bedeutet, den eigenen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft im doppelten Bedeutungssinn von Annerkennung und Übernahme wahrzunehmen. Organisationen allgemein und Unternehmen im Besonderen haben durch ihre Aktivitäten Auswirkungen auf die Gesellschaft und zwar in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht. Die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung ist deshalb mehr als finanzielles Engagement z. B. in Form von Spenden. Vielmehr geht es darum, das Kerngeschäft in einer gesellschaftlich verantwortungsvollen Weise auszuführen und dabei die legitimen Ansprüche der Stakeholder zu berücksichtigen.

Konkret geht es u. A. um Themen wie faire Arbeitspraktiken, die Umwelt, Menschenrechte, Konsumentenschutz oder Korruptionsprävention.

Gilt die ISO 26000 überhaupt für mein Unternehmen?

Anspruch der Norm ist es, für alle Arten von Organisationen in der Privatwirtschaft, im öffentlichen sowie im gemeinnützigen Sektor anwendbar zu sein. Außerdem gilt sie für alle Größen und Tätigkeitsbereiche und ist international sowohl in entwickelten wie sich entwickelnden Ländern anzuwenden. Die Norm ist somit nicht nur für internationale Konzerne relevant, sondern z. B. auch für mittelständische Unternehmen, gemeinnützige Vereine, Krankenhäuser, Universitäten und NGOs.

Was wird konkret erwartet?

Die ISO 26000 beinhaltet keine Mindeststandards oder Kriteriensammlungen, die von externen Auditoren geprüft werden können. Vielmehr wird von gesellschaftlich verantwortlichen Unternehmen erwartet, dass sie das Thema aus eigener Überzeugung und ehrlicher Selbstverpflichtung systematisch umsetzen und sich dabei an den sogenannten Grundsätzen und Kernthemen der ISO 26000 orientieren. Die konkrete Umsetzung von verantwortlichem Management sollte so einzigartig und individuell sein wie das Unternehmen selbst, sich am Kerngeschäft ausrichten und unternehmenskulturell verankert sein.

Kann ich mein Unternehmen nach ISO 26000 zertifizieren lassen?

Nein, eine Zertifizierung ist weder möglich noch ist sie vorgesehen. Es handelt sich ausdrücklich um eine nicht zertifizierbare Norm - vielmehr um einen Leitfaden, der die individuelle Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung einer Organisation unterstützt. Die Nicht Zertifizierbarkeit ist vor allem damit zu begründen, dass jede Organisation ihre gesellschaftliche Verantwortung individuell und vor dem Hintergrund ihrer Einzigartigkeit definieren muss und es deshalb keinen allgemeingültigen/ nach Schema F bewertbaren Anforderungskatalog geben kann.

Wie kann mein Unternehmen von der Norm profitieren?

In Zeiten globaler Vernetzung und Wirtschaftstätigkeit sowie schneller Mobilität und digitaler Informationsverfügbarkeit stehen Unternehmen mehr denn je im Fokus der Öffentlichkeit. Dies bietet Chancen und Risiken zugleich: Mit der Ausrichtung an den Grundsätzen und Kernthemen der ISO 26000 ist ein konsequenter Stakeholderdialog verbunden. Legitime Anforderungen der Anspruchsgruppen können damit frühzeitig erkannt und daraus neue bzw. innovative Strategien abgeleitet werden.

ISO 26000 konform zu wirtschaften heißt somit auch, ein aktives Risikomanagement zu betreiben und das Unternehmen zukunftsfähig zu positionieren. Durch eine verantwortungsvolle Unternehmensführung ist mittelfristig ein wirtschaftlicher Erfolg zu erwarten, der z.B. durch optimierte Produktionsprozesse, höhere Mitarbeitermotivation, geringere Anfälligkeit für Korruption und Misswirtschaft sowie geringere Kosten für Umweltauflagen erreicht wird. 

Wo finde ich Unterstützung bei der Umsetzung?

Die ISO 26000 selbst enthält in Kapitel 7 bereits eine Reihe von Anwendungshinweisen und praktischen Tipps zur Umsetzung. Darüber hinaus wird es für den deutschsprachigen Raum zeitnah Veröffentlichungen geben, in denen auf die besonderen Herausforderungen bei der Umsetzung und Übersetzung der Anforderungen speziell für den Mittelstand eingegangen wird. Darüber hinaus werden die Verbände Leitfäden für ihre Zielgruppe bereitstellen und mit ihrer Expertise die individuelle Umsetzung in der eigenen Organisation unterstützen.

Warum ist gerade der Mittelstand betroffen?

Der Mittelstand stellt mit über 95 % die überwältigende Mehrheit aller deutschen Unternehmen. Gleichzeitig bedeutet diese Zahl auch, dass diese Zielgruppe eine besondere Verantwortung hat, zur nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft beizutragen.
Doch auch andere Gründe sprechen dafür: Als Zulieferer müssen mittelständische Unternehmen immer mehr auf die gestiegenen Anforderungen in der Beschaffungskette achten. Die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung kann somit zum kritischen Faktor im Wettbewerb um Aufträge werden. In Zeiten akuten Fachkräftemangels werden gesellschaftlich engagierte Unternehmen zudem vom Zuspruch der Arbeitnehmer profitieren.

Müssen für die Umsetzung neue Stellen geschaffen werden?

Die ISO 26000 steht gerade für einen umfassenden und integrativen CSR-Ansatz. Es geht folglich darum, die zur Bearbeitung eines Kernthemas involvierten Bereiche in einem übergeordneten Team zusammenzubringen. Ziel eines verantwortungsvollen Managements ist es außerdem, die neuen Prozesse und Strategien in das bestehende Managementsystem einzugliedern. Entsprechend sind die bestehenden Abteilungen, insbesondere Revision, Qualitätsmanagement und Top-Management für die Gestaltung und Umsetzung verantwortlich. Ob neue Stellen geschaffen werden müssen hängt maßgeblich mit der Unternehmensgröße zusammen. Kleine- und mittelständische Unternehmen können die oben genannten Veränderungen in der Regel mit bestehendem Personal umsetzen.

Von wem wurde die Norm entwickelt?

Seit dem Start des Normungsprozesses im Jahr 2005, haben bis zu 436 Experten aus 94 Mitgliedsstaaten an dem Leitfaden gearbeitet. Jedes Land delegiert seine Vertreter in sechs verschiedenen Stakeholdergruppen, die sich mit ihrer Expertise in den Normierungsprozess einbringen. Nach acht Sitzungen wurde zuletzt in Kopenhagen das endgültige Papier verabschiedet und zur Abstimmung freigegeben.

Was sind die Grundsätze und Kernthemen der ISO 26000?

Es gibt nach ISO 26000 sieben übergeordnete Grundsätze gesellschaftlicher Verantwortung. Eine Organisation, die gesellschaftlich verantwortlich handeln will, muss diese Grundsätze zwingend befolgen. Im Einzelnen handelt es sich dabei um: Rechenschaftspflicht, Transparenz, ethisches Verhalten, Achtung der Interessen von Anspruchgruppen, Achtung der Rechtsstaatlichkeit, Achtung internationaler Verhaltensstandards, Achtung der Menschenrechte.

Darüber hinaus definieren sieben Kernthemen gesellschaftlicher Verantwortung die Handlungsfelder, in denen Verantwortung übernommen werden kann. Eine Organisation sollte alle Kernthemen adressieren, die genaue Priorisierung hängt jedoch maßgeblich von der Organisation und ihrem Tätigkeitsfeld ab. Eine Traditionsbäckerei muss das Thema Menschenrechte beispielsweise weniger oder anders behandeln als ein international tätiger Textilkonzern. Die Identifizierung der Handlungsfelder sollte sowohl intern als auch extern über Stakeholder Dialoge erfolgen.

Die sieben Kernthemen sind: Organisationsführung, Menschenrechte, Arbeitspraktiken, Umwelt, faire Betriebs- und Geschäftspraktiken, Konsumentenbelange und regionale Einbindung und Entwicklung des Umfelds.

Wie kann ich mein Unternehmen nach ISO 26000 ausrichten?

Maßgeblich ist zunächst die ehrliche Bereitschaft der Organisationsführung, ihrer Verantwortung zur nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft nachzukommen und hierfür die notwendigen Veränderungen zu realisieren („Top Management Commitment“).

Für die praktische Umsetzung bietet der Leitfaden in Kapitel 7 konkrete Empfehlungen. Aufbauend auf einer umfangreichen internen und externen Analyse des Unternehmens kann eine Strategie entwickelt werden, die Maßnahmen mit Bezug zum Kerngeschäft beinhaltet. Praktische Beispiele und Hinweise zur Vorgehensweise sind in der Norm aufgeführt. Weitere Informationen finden Sie in unserem Kurzüberblick:
 CSR erfolgreich umsetzen

Was ist mit Organisationen, die sich nicht an der Norm orientieren?

Eine Ausrichtung des Managements an den Prinzipien und Themen der ISO 26000 ist nicht verpflichtend. Dennoch ist davon auszugehen, dass Unternehmen, die sich am Leitfaden orientieren und ihr Management konsequent nach der ISO 26000 ausrichten, mittelfristig erfolgreicher sein werden als solche, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht stellen. Durch die steigende Bedeutung der Stakeholder am Erfolg einer Organisation wird die Berücksichtigung von deren legitimen Ansprüchen immer mehr zum Erfolgskriterium eines Unternehmens.

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